Langer Tag der Stadtnatur am Teufelsberg 2018

Auch 2018 war das Aktionsbündnis Teufelsberg beim Langen Tag der Stadtnatur dabei.  Bei zwei Führungen am Sonntag den 17.6. mit dem Thema „Schöne Aussichten? – Der Teufelsberg zwischen Naturentwicklung, Erholungswald und Spekulationsobjekt“ ließen sich über 35 interessierte BürgerInnen bei einer landschaftlichen (Berg-)Wanderung über die aktuelle Situation und die Vorstellungen des Aktionsbündnisses für eine zukünftige öffentliche Nutzung des Geländes informieren.

Langer Tag der Stadtnatur 2018: Prof. Dr. H. Kenneweg vom Aktionsbündnis Teufelsberg berichtet den TeilnehmerInnen von der Geschichte des Teufelsberges und dem Landschaftsschutzgebiet Grunewald. Foto: E. Kuntzsch

Langer Tag der Stadtnatur 2018: Blick vom Drachenberg auf die Landmarke des Turmes der ehemaligen „Field-Station“. Auch diese Fläche sollte nach den Vorstellungen des Aktionsbündnisses wieder öffentlich als Erholungsfläche zugänglich werden. Foto: E. Kuntzsch

 

Der Teufelsberg im neuen LSG – wie geht es nun weiter?

Am Teufelsberg zeigt sich, ob Berlin im Naturschutz vorankommen will

Knapp 6 von 187 Seiten oder 3 % im Rot-Rot-Grünen Koalitionsvertrag sind der Thematik „Aktiver Natur- und Umweltschutz – ein ökologischer Aufbruch fur Berlin“ gewidmet. Ehrgeizige Ziele sind darin skizziert, z. B. „Naturschutzgesetz zügig umsetzen“ (S. 163). An anderer Stelle dieses Vertrages wird der Schwerpunkt gesetzt: „Besondere Orte Berlins attraktiv weiterentwickeln“ (S. 35-37). Unter den dort aufgeführten 13 Orten von gesamtstädtischer Bedeutung, an denen konsequenterweise starke Aktivitäten der Senatspolitik und auch der Verwaltungen im Sinne dieser Schwerpunktsetzung zu erwarten, aber auch unbedingt zu fordern sind, befindet sich nur einer, der in vollem Umfang dem Arbeitsbereich „Naturschutz und Erholungsvorsorge“ zuzuordnen ist, nämlich der Teufelsberg, gelegen an hervorgehobener Stelle inmitten des Grunewaldes. Vorgesehen ist hier: „Die Koalition strebt an, den Teufelsberg in Zusammenarbeit mit den Berliner Forsten, freien Trägern des Naturschutzes und der kulturellen Arbeit als Erinnerungs- und Naturort öffentlich zugänglich zu machen.“ Der Koalitionsvertrag beansprucht Gültigkeit für einen mit „2016 bis 2021“ bezeichneten Zeitraum. Deshalb stellen sich das Jahr 2018 sicherlich als ein geeigneter Zeitpunkt und der Teufelsberg als der am besten geeignete Ort Berlins dar, um eine kritische Zwischenbilanz für Qualität und Erfolg der Bemühungen des Senats auf dem Sektor „Naturschutz und Erholungsvorsorge“ zu ziehen. Das „Aktionsbündnis Teufelsberg“, ein Zusammenschluss aus anerkannten Naturschutzverbänden, Bürgervereinen, kirchlichen und gewerkschaftlichen Kreisen sowie engagierten Einzelpersonen, das sich seit über 20 Jahren für die inzwischen auch im Koalitionsvertrag genannte Zielsetzung einsetzt, ist sicherlich das am besten geeignete Gremium für die fällige kritische Stellungnahme.Seit dem Verkauf des Teufelsbergplateaus, eines zentralen Kernbereichs vom Grunewald, durch den Berliner Senat an Private am 22.11.1996 vertritt das Aktionsbündnis Teufelsberg seit 1997 beharrlich die drei Kernforderungen

(1) Rückerwerb des Areals für die Öffentliche Hand;
(2) Öffnung des Areals für kostenfreien Zugang zur Erholungsnutzung für alle;
(3) Wiedereingliederung des Areals in das Landschaftsschutzgebiet Grunewald.

Seit Anfang 2018 gibt es einen Lichtblick: Mit der Verabschiedung der „Grunewaldschutzverordnung – Sch VOGw“ (Verordnung zum Schutz der Landschaft des Grunewaldes mit den darin liegenden Naturschutzgebieten….) vom 20. Dez. 2017, die am 12. Januar 2018 in Kraft getreten ist, wurde endlich die dritte Kernforderung des Aktionsbündnis Teufelsberg erfüllt. Die für den Teufelsberg und seine „attraktive Weiterentwicklung“ federführend zuständige Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz unter der Leitung von Senatorin Regine Günther hat damit einen wichtigen ersten Schritt vollzogen, der aber nur dann wirksam werden kann, wenn ihm die erforderlichen weiteren Schritte folgen. Die Bereitschaft dazu ist bisher nicht in ausreichendem Umfang erkennbar; das kann mit den Ergebnissen einer Prüfung der konkreten Situation vor Ort belegt werden:

I. Die neue Schutzverordnung enthält eine Reihe von Verboten und Geboten, die zwar geeignet sein könnten, die Belange von Natur- und Landschaftssschutz zu gewährleisten, die aber zunächst konkretisiert und gegenüber den Rechten und Ansprüchen der Eigentümer des Teufelsberg-Plateaus durchgesetzt werden müssen. Möglicherweise kann diesen Bestimmungen erst durch einen Pflege- und Entwicklungsplan für das Schutzgebiet zur Geltung und Wirkung verholfen werden. Solange sie nicht durch Präsenz und aktive Handlungsbereitschaft der Behörden repräsentiert wird, bleibt die neue Verordnung nur „ein Papiertiger“. Eine für diesen Zweck bestimmte befristete Personalstelle wurde von der Fachbehörde „Berliner Forsten“ zwar beantragt, konnte aber nicht in den Haushalt der Senatsverwaltung eingestellt werden. So bleibt beispielsweise ungeklärt, ob der durch zahlende Besucher verursachte starke Kraftverkehr zum Teufelsbergplateau („….alles unsere privaten Gäste, also Anlieger“) durch Eigentümerrechte gedeckt ist, oder ob die Zufahrt als Waldweg, etwa durch eine Schranke, abgesperrt werden kann. Ähnliches gilt für die Bautätigkeiten in dem Ruinenglände, das planungsrechtlich wieder zum „Wald“ geworden ist, für die von den Eigentümern aber „Bestandesschutz und Erhaltungsinvestitionen“ geltend gemacht werden. De facto besteht auf dem Berg ein lukratives illegales Gewerbegebiet; Insider berichten, dass durch Eintrittsgelder, Vermietungen, Verkäufe und Veranstaltungen jährliche Umsätze in der Größenordnung von 1 Mio € erzielt werden; auch große Firmen kommen und zahlen gut, um mit ihren Gästen Parties im Ambiente des morbiden Charmes der Ruinen zu feiern – alles „private Gäste“. Verteidigt werden diese Zustände im Landschaftsschutzgebiet durch die alternative „Street-Art“-Szene, die hier geduldet wurde und sehr erfolgreich vermarktet wird. Tolerierbar oder zu begrüßen wäre so etwas auf den innerstädtischen Industriebrachen, nur eben nicht im Zentrum eines Erholungswaldes und Schutzgebietes. Die Eigentümer haben beantragt, Wasserversorgungs-und Elektrizitätsleitungen verlegen zu dürfen. Im ungültig gewordenen Vorhabens- und Erschließungsplan waren die vorgesehen. Aber braucht eine Waldfläche im LSG diese Infrastruktur heute noch? Die hier angedeuteten Konflikte zeigen, dass die meisten Probleme durch die lediglich papiererne Existanz einer Schutzverordnung noch nicht beseitigt, ja nicht einmal gemildert sind.

II. Das Aktionsbündnis Teufelsberg ist bereits zwei Schritte vorausgeeilt und hat ein ziemlich detailliertes Konzept für die Zukunft des Gipfelplateaus ausgearbeitet. Es sieht -wie 1950 geplant- die landschaftliche Gestaltung des Berggipfels vor und ist auf der Internetseite des Akktionsbündnisses aktionbuendnis-teufelsberg.de dargestellt und erläutert. Realisierbar werden kann es aber erst, wenn die genannte Kernforderung Nr. 1, Rückerwerb des Areals für die Öffentliche Hand, realisiert worden ist. Zwar haben alle Fraktionen des früheren Abgeordnetenhauses, der damalige Stadtentwicklungssenator und heutige Regierende Bürgermeister Michael Müller und auch der in dieser Angelegenheit entscheidende Finanzsenator Mathias Kollatz-Ahnen den Rückerwerb befürwortet und beschlossen. Dies kann jedoch nicht zu einem unberechtigt hohen Preis erfolgen. Als „Wald“, nach forstlichen Kriterien bewertet, ist das Grundstück mit erloschenem Baurecht nahezu wertlos. Das ist die Hauptcrux in dieser Angelegenheit, denn die Eigentümer sind nicht verkaufswillig, es sei denn zu phantastisch überhöhtem Preis. Solange der Berliner Senat und die Berliner Verwaltungen es aber zulassen, dass mit illegaler Gewerbetätigkeit an diesem Ort hohe Umsätze erzielbar sind, wird es keine Einigung über einen „vernünftigen“ Kaufpreis geben können.

III. Ein Rückerwerb des Teufelsbergplateaus und seine neue Widmung als frei zugänglicher Erholungsschwerpunkt (obige Kernforderung Nr. 2) setzt auch voraus, dass den Berliner Forsten als ausführender Behörde, den freien Trägern des Naturschutzes (zum Beispiel Mitgliedsorganisationen des Aktionsbündnis Teufelsberg) und möglichen Trägern einer wie auch immer gearteten kulturellen Arbeit vermittelt werden muss, wie das Areal als Erinnerungs- und
Naturort gestaltet und gesichert werden soll. Auch der umstrittene Denkmalschutz (von den Eigentümern zeitweise vehement gefordert, dann wieder ebenso vehement abgelehnt) macht die Beteiligung der Denkmalschutzbehörde notwendig. Nicht nur der Kauf, sondern auch die Bereinigungs-, Sicherungs- und Gestaltungsmaßnahmen müssen finanziert werden. Die federführende Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ist jedenfalls nicht allein handlungsfähig, sondern nur aufgrund von Abstimmungsergebnissen mit den Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung, Finanzen und Kultur, deren nachgeordneten Stellen und dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf mit seinen Gremien und nachgeordneten Behörden. Eine einfache Aufgabe ist das nicht. Auf Nachfragen des Aktionsbündnis Teufelsberg war zwischen Januar 2017 und März 2018 nur in Erfahrung zu bringen, dass es laufende Abstimmungsgespräche gebe. Bis zur Ergebnisnähe scheinen sie noch nicht gediehen zu sein.

IV. Während einer öffentlichen Debatte mit Architekten, der Presse und zahlreichen Bürgern am 12. März 2018 in der Urania erläuterte die Umweltsenatorin Regine Günther ihre Politik. Dabei wurde deutlich, dass die Verkehrspolitik derzeit zum einseitigen Schwerpunkt des Hauses geworden ist. Die Senatorin räumte ein, dass es deshalb zu Verzögerungen auf anderen Feldern im Zuständigkeitsbereich ihres Hauses gekommen sei; man stehe ja ganz am Anfang der Erledigung des politischen Aufgabenspektrums dieser Legislaturperiode. Bezüglich dieser Darstellung ist der Senatorin zu widersprechen. Auch wenn es schwierig sein mag, darf der Bürger und Interessent von seiner Regierung erwarten, dass nach mehr als einem Viertel der Legislaturperiode der gesamte Zuständigkeitsbereich einer Senatsverwaltung einigermaßen gleichmäßig vorangebracht wird und nicht nur sporadisch einzelne Themen von bevorzugtem Interesse. „Mut zur Lücke“ ist in diesem Kontext sicher die verkehrte Parole.

Fazit: Im Politikfeld „Naturschutz und Erholungsvorsorge“ sind deutliche Defizite bei der Umsetzung des Berliner Koalitionsvertrages von 2016 feststellbar. Trotz einiger anerkennenswerter Fortschritte wie der Verabschiedung der Landschaftsschutz-Verordnung für den Grunewald kann man eher nicht bestätigen, dass das Naturschutzgesetz zügig umgesetzt wird. Betrachtet man die Behandlung des als Muster und „besonderen Ort Berlins“ hervorgehobenen Teufelsbergs stellvertretend für das gesamte Politikfeld „Naturschutz und Erholungsvorsorge“, so muss man feststellen, dass im Rest der Legislaturperiode noch außerordentlich viel zu tun ist, um das gesteckten Ziel vielleicht doch noch zu erreichen. Einen „ökologischen Aufbruch fur Berlin“, wie das im Koalitionsvertrag formuliert ist, sollten die Verantwortlichen mit mehr Ehrgeiz und Engagement auf diesem Gebiet vorantreiben.

H. Kenneweg, 19. 3. 2018

Wie stark inzwischen die kommerzielle Nutzung auf dem Teufelsberg geworden ist und welche Folgen dies hat, zeigt die folgende aktuelle Fotozusammenstellung

(Fotos H. Kenneweg)                       Exzessiver Kommerz im Landschaftsschutzgebiet

Rückbau der Abhörstation Teufelsberg

Das Aktionsbündnis Teufelsberg stellt sein Konzept vor, das Gelände der ehemaligen US-amerikanischen Abhörstation zurückzukaufen und an die öffentliche Hand zurückzugeben. Geplant ist der teilweise Rückbau des auf dem Plateau befindlichen Gebäudekomplexes und der Errichtung eines Museums mit Aussichtsplattform und Café.

Offener Brief des Aktionsbündnisses vom 14.6.2017 an den Regierenden Bürgermeister

AKTIONSBÜNDNIS TEUFELSBERG seit 1997 Berlin, den 14.6. 2017
c/o Prof.Dr. Kenneweg Schomburgstraße 10
12277 Berlin Tel. 030-722 66 10
kontakt@aktionsbuendnis-teufelsberg.de
www.aktionsbuendnis-teufelsberg.de

 

OFFENER BRIEF
an den Regierenden Bürgermeister und den Senat von Berlin
TEUFELSBERG jetzt vollenden !

Sehr geehrter Regierender Bürgermeister,
sehr geehrte Senatorinnen für Umwelt, Stadtentwicklung, sehr geehrter Finanzsenator!
Es ist u.E. jetzt Zeit, kommunal- und landespolitisch zu handeln, den großen Teufelsberg
endgültig landschaftlich als Höhepunkt des Grunewaldes zu gestalten und der Bevölkerung zugänglich zu machen,
– 23 Jahre nach Abzug der Besatzungsmächte und
– 13 Jahre nach Verfall des Bau- und Planungsrechtes der
gescheiterten Investorengruppe für das Teufelsbergplateau.

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister Michael Müller, seit 2014 unterstützen alle
Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus Ihre öffentliche Absichtserklärung zu diesem
Ziel, um das sich auch unser Aktionsbündnis aus Naturschutzverbänden und Anwohnervertretungen seit 20 Jahren bemüht.
Wir bitten Sie daher, nach den umfangreichen Anhörungsverfahren 2013/14 jetzt die
Weichen zu stellen, das Rückerwerbsverfahren voranzutreiben und keine Verwaltungsentscheidungen zuzulassen, die gegenwärtige unzulässige umfangreiche gewerbliche Nutzung des Plateau-Geländes im Außenbereich/Wald/LSG verfestigen* können. Hier zu zählt auch die in letzter Zeit vom Pächter des Geländes propagierte Idee einer „Künstlerkolonie“ auf dem Berg.
Wir begrüßen den Koalitionsbeschluss zum Teufelsberg, der durch den von uns seit 2004 vorgelegten Gestaltungsvorschlag voll ausgefüllt werden könnte:
Er sieht vor, die Plateaufläche nach Abbruch der ruinösen Gebäude zu übererden und
landschaftlich zu gestalten. Der höchste Punkt der Aufschüttung läge dann 127 m über
N.N., das sind 12 m über dem gegenwärtigen Niveau. Oben auf dem Hügel befände
sich der Zugang zum vorhandenen Stahlbetonturm, der allein als stadtbildprägende
Landmarke und künftiger Aussichtsturm erhalten bliebe. Vom Turm ausgehend sollen
zwei geneigte Liegewiesen geschaffen werden, von denen aus sich reizvolle Aussichten
über den Wannsee und die Stadt ergeben. Der Turm selber sollte künftig einen kleinen
Imbiss im Eingangsgeschoss, auf den vier Zwischenplattformen ein Museum (544 qm) als
Erinnerungsort und einen Aussichts- und “Klangraum“ mit Café und Kultur in der Kuppel aufnehmen.

Der für ganz Berlin wichtige Ort darf nicht länger unter Renditegesichtspunkten privat
bewirtschaftet werden. Die Berliner Forsten sollten für die Realisierung der Koalitionsabsicht daher kurzfristig mit den dafür nötigen Mitteln ausgestattet werden.
Mit freundlichem Gruß

Prof. Dr. H.Kenneweg Dipl.Ing. E.Kuntzsch

für das AKTIONSBÜNDNIS TEUFELSBERG

* z.B. Verlegung von einer umfangreichen neuen Kabeltrasse durch den Wald

 

 

 

 

Der Teufelsberg am Langen Tag der Stadtnatur 2017

Auch 2017 ist das Aktionsbündnis Teufelsberg beim Langen Tag der Stadtnatur dabei und veranstaltet am Sonntag den 18.6. zwei Führungen mit dem Thema „Schöne Aussichten? – Der Teufelsberg zwischen Naturentwicklung, Erholungswald und Spekulationsobjekt. Eine landschaftliche (Berg-)Wanderung“.

Und zwar jeweils von 11:00-13.00 und von 13.30-15:30 Uhr.

Treffpunkt: Teufelsseechaussee am GroßenParkplatz, am Treppenaufgang zum Drachenberg.

Sie sind herzlich eingeladen.

Weitere Infos unter: Teufelsberg-Führung Langer Tag Stadtnatur 2017

Diskussionsveranstaltung „Was wird aus dem Teufelsberg?“ am 3.5.2017 im Ökowerk

Kann ein Gewerbegebiet inmitten des Grunewalds geduldet werden?

Der Abend des 3. Mai 2017 war wieder einmal der Zukunft des Teufelsbergs gewidmet, eine unendliche Geschichte zwischen Wald und Politik, wie es auch der Buchtitel der von der SDW, LV Berlin herausgegebenen neuen Schrift von Dr. Mielke zum Ausdruck bringt. Das Aktionsbündnis Teufelsberg, gemeinsam mit seiner Mitgliedsorganisation „Ökowerk Berlin“ hatte Berliner Politiker einige Zeit nach der Neuwahl des Abgeordnetenhauses zu einem Hearing in die Waldhalle des Ökowerks eingeladen.  In der gut besuchten Veranstaltung diskutierten auf dem Podium (Bild, v. links nach rechts) die Mitglieder des Abgeordnetenhauses Bucholz (für die SPD), Efler (für die Linke), Freymark (für die CDU), Herr zu Lynar (Leiter des Amts für Umwelt und Naturschutz im Bezirk, später auch Herr Schruoffeneger, Baustadtrat im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf), Herr Berger (Ökowerk, Moderator) und Prof. Kenneweg (Aktionsbündnis Teufelsberg).

Diskussionsveranstaltung_3_5_2017_Oekowerk

Das Podium war sich einig im Bedauern, dass es seit der letzten Veranstaltung im gleichen Rahmen und am gleichen Ort, nämlich am 11. Juli 2016, noch keine größeren Fortschritte bezüglich der damals einhellig proklamierten Ziele gebe, nämlich Rückführung des Areals in öffentliches Eigentum und freie Zugänglichkeit als Erholungsschwerpunkt für alle Berliner. Die Tatsache, dass der Koalitionsvertrag der drei jetzt in Berlin regierenden Parteien den Teufelsberg als einen von 13 Orten mit gesamtstädtischer Bedeutung ausweist, dem besondere Aufmerksamkeit und großes Engagement zu widmen ist, hat sich bisher noch nicht deutlich bemerkbar gemacht. Immerhin wurde aus der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz schriftlich erklärt, dass die Aufnahme des Teufelsbergplateaus in die neue Landschaftsschutzverordnung für den Grunewald vorgesehen sei.

MdA Freymark (CDU) forderte, das Verschieben der Entscheidungen und der Verantwortung müsse ein Ende haben, und eigentlich gehörten Senatoren als Entscheidungsträger auf ein solches Podium. Die Frage nach der Interpretation der Passage zum Teufelsberg im Koalitionsvertrag („Die Koalition strebt an, den Teufelsberg in Zusammenarbeit mit den Berliner Forsten, freien Trägern des Naturschutzes und der kulturellen Arbeit als Erinnerungs- und Natur-Ort öffentlich zugänglich zu machen“) konnte wegen der Nicht-Verfügbarkeit des Grundstücks für die Stadt nicht mit konkreten Vorschlägen präzise beantwortet werden, sondern blieb vage. Das Dilemma der klaffenden Lücke zwischen horrenden Kaufpreisforderungen der privaten Eigentümer und dem objektiv geringen Wert des Grundstücks nach dem Erlöschen des Baurechts wurde in diesem Zusammenhang diskutiert, aber konkrete Vorschläge zur Überwindung dieses Problems kamen nicht zur Sprache.

Stillstand? Nicht ganz. Eine Kontroverse wurde sehr deutlich. Auf der einen Seite, nämlich der der Eigentümer, Pächter und Befürworter von künstlerischen und kulturellen Aktivitäten sind erhebliche und erfolgreiche Anstrengungen gemacht worden, um die Besucherzahlen zu steigern und das Betreten der Ruinen sicherer zu machen. In Redebeiträgen aus dem Publikum forderten diese, ihre Bemühungen und deren große Bedeutung für die Attraktion Berlins gegenüber Touristen anzuerkennen. Von der Gegenseite, nämlich den Veranstaltern und allen Mitgliedern des Podiums wurden die stark gesteigerten Aktivitäten auf dem Berg sehr skeptisch oder strikt ablehnend kommentiert. Es handele sich überwiegend um kommerziell motivierte Vorhaben, die von (unzulässigen) Baumaßnahmen und einem enormen motorisierten Verkehrsaufkommen auf gesperrter Waldstraße begleitet seien. Es sei bereits ein betriebsames Gewerbegebiet mit hohen finanziellen Umsätzen im Zentrum des Erholungswaldes und inmitten des Landschaftsschutzgebietes entstanden, das an diesem Ort keinesfalls geduldet werden könne.

Versöhnlich stimmte gegen Ende der Veranstaltung der Beitrag einer Zuhörerin aus dem Publikum. Man solle doch aus der ehemaligen Abhörstation eine „Zuhörstation“ machen.  Das, immerhin, könnte von allen Beteiligten begrüßt werden, und es gibt auch auf dem Berg eine Stelle dafür, die von allen Beteiligten, Eigentümern, Künstlern, Naturschützern, Politikern usw. geschätzt wird und die auf jeden Fall erhalten werden soll: Die Kuppel auf dem zentralen Turm hat besondere akustische Eigenschaften mit so langem Nachhall, dass sehr ungewöhnliche musikalische Erlebnisse und andere Zuhör-Aktionen möglich werden.

Hartmut Kenneweg, 5. 5. 2017

 

„Die unendliche Geschichte des Berliner Teufelsberges“ – Veranstaltung am 3.3.2017

Das Aktionsbündnis Teufelsberg lädt alle interessierten BürgerInnen zur Vorstellung der 2. aktualisierten Auflage des Teufelsberg-Buchs von Dr. Hans-Jürgen-Mielke am 3. März 2017 um 19 Uhr im Gemeindehaus der Evangelischen  Friedensgemeinde in Charlottenburg, Tannenbergallee 6, 14055 Bln ein.

Das neue Buch von Dr. Hans-Jürgen Mielke

Auf dieser Bürgerversammlung wird der Autor Dr. Hans-Jürgen Mielke die druckfrische 2. erweiterte Auflage seiner achtzigseitigen Dokumentations-Broschüre „Die unendliche Geschichte des Berliner Teufelsberges – Wald und Politik “mit vielen historischen und aktuellen Abbildungen vorstellen und wir werden über den neuesten Stand der Entwicklung um diesen hervorragenden Ort Berlins berichten und mit Ihnen diskutieren.

Wir freuen uns auf rege Beteiligung

Einladungstext zur Veranstaltung am 3. März 2017

Was will die SPD auf dem Teufelsberg?

Naturerholung im Wald – oder  urbane Betriebsamkeit mit sozialem Brennpunkt und viel Autoverkehr?

In der Vorwahlzeit, am 16. August 2016, hatte Frau Carolina Boehm (SPD) als Kandidatin für das Abgeordnetenhaus zu einem Spaziergang an einem interessanten und umstrittenen Ort (hier: Teufelsberg) eingeladen, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Staatssekretär Renner bei seiner Begrüßung. Foto H. Kenneweg

Staatssekretär Renner bei seiner Begrüßung. Foto H. Kenneweg

Am Eingang zur früheren „Field Station“ stieß auch der Staatssekretär für Kultur, Herr Tim Renner (SPD) zu der Gruppe aus etwa 50 Interes-senten mit viel Pressebeteiligung. Die eigentlich begrüßenswerte Idee einer Vor-Ort-Diskussion rückte in der Sicht des Aktions-bündnis Teufelsberg gleich zu Beginn in ein zweifelhaftes Licht, denn leider vertrat Herr Renner auf dieser Veranstaltung schon in seinem Grußwort Positionen, die völlig im Gegensatz zur Position des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller stehen (sitzen nicht beide im selben Haus?).

Auch mit dem sehr engagierten Einsatz des umweltpolitischen Sprechers der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Herrn Daniel Bucholz zugunsten einer wald- und naturverträglichen Zukunft des Teufelsbergs und gegen die kommerzorientierten Interessen der jetzigen Eigentümersind die Äußerungen Renners überhaupt nicht vereinbar. Was soll man von der Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit einer SPD  halten, die in einer für die Stadt wichtigen Angelegenheit so zwiespältig und widersprüchlich auftritt?  Herr Renner und auch Frau Böhm sprachen vom „Beginn eines Diskussionsprozesses“ um diesen einzigartigen Standort der neuartigen und berlintypischen Kultur. Demgegenüber gab es jedoch davor den Abschluss eines mehrjährigen Diskussionsprozesses um die Zukunft des Teufelsbergs in Form eines „Runden Tischs“ in der 50. Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt am 26. 11. 2014. Michael Müller (damals in seiner letzten Amtshandlung als Senator für Stadtentwicklung und Umwelt) und mit ihm alle Fraktionen des Abgeordnetenhauses bedauerten die Zustände auf dem Berg unter den jetzigen Eigentümern („Investoren“ sollte man sie nicht nennen) und bezeichneten den Verkauf des Areals durch die Stadt als schweren Fehler. Der Rückerwerb durch die Stadt wurde als vordringlich erkannt, kann aber nicht zu absurd überhöhten Kaufpreisforderungen realisiert werden. Das Wortprotokoll dieser entscheidenden Sitzung kann nachgelesen werden, der zugrundeliegende Sachverhalt war aber Herrn Renner offensichtlich nicht geläufig.

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Die SPD-Kandidatin Frau Böhm und Staatssekretär Renner am Eingang des Geländes.

Der erwähnte „Runde Tisch“ hatte als Ergebnis, dass sich die Meinungen und Positionen verschiedener Interessentengruppen am Teufelsberg annäherten. Das Aktionsbündnis Teufelsberg, in dem u. a. Naturschutzverbände und Anwohnervereinigungen vertreten sind, befürwortet in Abwandlung seiner zentralen  Anliegen (1. Erwerb durch die Öffentliche Hand; 2. freier Zugang nach naturnaher Gestaltung; 3. Landschaftsschutz) auch die Erhaltung des Turms und dessen Gestaltung als Mahn- und Gedenkort – der nicht nur an Spionage und den kalten Krieg, sondern mehr noch an den Grunewald als Dauerwald, an die Verirrungen faschistischer Großmannssucht  („Wehrtechnische Fakultät“) und an Kriegszerstörungen (Trümmerschutt von ca. 300.000 Wohnungen) erinnern soll. Einen Entwurf für die Gestaltung von Berg und Turm hat das Aktionsbündnis erarbeitet.

Hartmut Kenneweg

 

Was wird aus dem Teufelsberg? Veranstaltung am 11.7.16 im Ökowerk

Vorstellungen der Parteien zur Zukunft des Teufelsbergs

Das Aktionsbündnis Ökowerk_veranst_2016Teufelsberg hatte gemeinsam mit dem Ökowerk für den 11. Juli 2016 Vertreter aller im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien zu einer Diskussionsveranstaltung über die Zukunft des Teufelsbergs in die Waldhalle des Ökowerks eingeladen. Drei Mitglieder des Abgeordnetenhauses waren gekommen. Die SPD wurde von Herrn Daniel Bucholz vertreten, Frau Nicole Ludwig sprach für Bündnis 90/die Grünen und Herr Philipp Magalski für die Piraten. „Die Linke“ hatte mit Frau Felicitas Karimi eine sehr engagierte sowie orts- und sachkundige Kandidatin entsandt. Die CDU war nicht vertreten. Hartwig Berger moderierte die Veranstaltung, und Hartmut Kenneweg vertrat das Aktionsbündnis Teufelsberg auf dem Podium. Unter den etwa 50 Zuhörern waren nicht nur am Thema interessierte Bürger, sondern auch Vertreter der Eigentümer des Teufelsbergs und dort tätige Künstler und Veranstalter von Führungen.

Die Parteienvertreter auf dem Podium sollten zunächst ihre Erwartungen für das Areal beschreiben. Dazu, dass diese Fläche inmitten des Grunewaldes in das Eigentum der Öffentlichen Hand gehöre, gab es keinen Dissens zwischen den Personen auf dem Podium. Der Rückerwerb „um jeden Preis“, also auch für einen Kaufpreis in zweistelliger Millionenhöhe, wie von den Eigentümern gefordert, wurde allerdings von niemand befürwortet.

Herr Bucholz betonte, dass er zu den Initiatoren der Änderung des Flächennutzungsplans gehört habe, aufgrund derer das Teufelsbergplateau planungsrechtlich wieder eine Waldfläche geworden ist. Er wolle, dass die Entwicklung des Areals zum frei zugänglichen Erholungsschwerpunkt  im Eigentum der Öffentlichen Hand konsequent weiter verfolgt  wird.  Elemente der Erinnerung an die wechselvolle Geschichte dieses Ortes könnten integriert werden.

Frau Ludwig, die noch nicht auf jahrzehntelange schlechte Erfahrungen mit den Eigentümern zurückblicken kann, befürwortete Gespräche zwischen diesen und politischen Entscheidungsträgern. Sie befürworte einen Kompromiss zwischen Renaturierung, Erinnerungsstätte, durchaus auch mit einem Café und nannte die Entwicklung der Beelitzer Heilstätten in den letzten Jahren als Vorbild für den Teufelsberg.

Frau Karimi, die sich als Anwohnerin und Liebhaberin der Teufelsberg-Landschaft zu erkennen gab, bezeichnete die ehemalige Field Station als ungesicherte Ruine, deren Eigentümer alles blockiere. Am intensivsten von allen forderte sie die Überführung des Geländes in öffentliches Eigentum, damit eine kommerzielle Nutzung und „Touristenrummel“ verhindert werden können. „Gespräche mit den Eigentümern haben nichts gebracht“, und deren Unseriosität habe sich mehrfach erwiesen.

Herr Magalski, zugleich naturschutz- und kulturpolitischer Sprecher der Piraten, trat für einen Kompromiss zwischen Naturschutz, Erholung und kultureller Nutzung ein. Mit der Bemerkung „Wir haben Haushaltsüberschüsse“ zeigte er sich geneigt, das Gelände auch zu einem höheren Kaufpreis zurück zu erwerben.

Dass die CDU keine(n) Vertreter(in)  entsandte und die Einladung auch nicht einer Antwort würdigte, darf man wohl als Desinteresse an der Thematik „Teufelsberg“ interpretieren.

Hartwig Berger als Moderator wollte den Zuhörern möglichst viel Gelegenheit geben, nachzufragen, aber auch ihre Meinung kundzutun. Die Diskussionsbeiträge waren heterogen. Künstler und kommerzielle Nutzer des Teufelsbergs plädierten naturgemäß eher für  die Position des Pächters Marwin Schütte. Aber es gab auch Befürworter einer Renaturierung und sogar eine vehement vorgebrachte Forderung nach Enteignung. Auch gab es die Forderung, dass sich die Sportler, die ein großes Interesse an dem Berg haben, mit ihren einflussreichen Verbänden dem Aktionsbündnis Teufelsberg anschließen sollten.

Hartmut Kenneweg

Aktionsbündnis war beim Langen Tag der Stadtnatur 2016 dabei

teufelsberg_2Dieses Jahr war auch das Aktionsbündnis Teufelsberg mit zwei Führungen beim Langen Tag der Stadtnatur am 18. und 19. Juni 2016 dabei.                                                         Unter dem Titel: Schöne Aussichten? – Der Teufelsberg zwischen Naturentwicklung, Erholungswald und Spekulationsobjekt“ konnten wir den  Teilnehmern auf einer Wanderung über die beiden Kuppen des Teufelsberges die Schönheiten dieser Erholungslandschaft und die Besonderheiten seiner Geschichte vorstellen. Dabei sind wir natürlich auch auf die aktuell unbefriedigende Situation vor Ort eingegangen und haben unsere Vorstellungen für die zukünftige Gestaltung und Nutzung des Teufelsbergareals dargelegt. Darüber gab es angeregte Diskussionen mit den  interessierten Teilnehmern. Da das Wetter mitspielte konnten aber auch alle die herrlichen Aussichten über die Grunewaldlandschaft und die Stadt genießen.

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