Diskussionsveranstaltung „Was wird aus dem Teufelsberg?“ am 3.5.2017 im Ökowerk

Kann ein Gewerbegebiet inmitten des Grunewalds geduldet werden?

Der Abend des 3. Mai 2017 war wieder einmal der Zukunft des Teufelsbergs gewidmet, eine unendliche Geschichte zwischen Wald und Politik, wie es auch der Buchtitel der von der SDW, LV Berlin herausgegebenen neuen Schrift von Dr. Mielke zum Ausdruck bringt. Das Aktionsbündnis Teufelsberg, gemeinsam mit seiner Mitgliedsorganisation „Ökowerk Berlin“ hatte Berliner Politiker einige Zeit nach der Neuwahl des Abgeordnetenhauses zu einem Hearing in die Waldhalle des Ökowerks eingeladen.  In der gut besuchten Veranstaltung diskutierten auf dem Podium (Bild, v. links nach rechts) die Mitglieder des Abgeordnetenhauses Bucholz (für die SPD), Efler (für die Linke), Freymark (für die CDU), Herr zu Lynar (Leiter des Amts für Umwelt und Naturschutz im Bezirk, später auch Herr Schruoffeneger, Baustadtrat im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf), Herr Berger (Ökowerk, Moderator) und Prof. Kenneweg (Aktionsbündnis Teufelsberg).

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Das Podium war sich einig im Bedauern, dass es seit der letzten Veranstaltung im gleichen Rahmen und am gleichen Ort, nämlich am 11. Juli 2016, noch keine größeren Fortschritte bezüglich der damals einhellig proklamierten Ziele gebe, nämlich Rückführung des Areals in öffentliches Eigentum und freie Zugänglichkeit als Erholungsschwerpunkt für alle Berliner. Die Tatsache, dass der Koalitionsvertrag der drei jetzt in Berlin regierenden Parteien den Teufelsberg als einen von 13 Orten mit gesamtstädtischer Bedeutung ausweist, dem besondere Aufmerksamkeit und großes Engagement zu widmen ist, hat sich bisher noch nicht deutlich bemerkbar gemacht. Immerhin wurde aus der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz schriftlich erklärt, dass die Aufnahme des Teufelsbergplateaus in die neue Landschaftsschutzverordnung für den Grunewald vorgesehen sei.

MdA Freymark (CDU) forderte, das Verschieben der Entscheidungen und der Verantwortung müsse ein Ende haben, und eigentlich gehörten Senatoren als Entscheidungsträger auf ein solches Podium. Die Frage nach der Interpretation der Passage zum Teufelsberg im Koalitionsvertrag („Die Koalition strebt an, den Teufelsberg in Zusammenarbeit mit den Berliner Forsten, freien Trägern des Naturschutzes und der kulturellen Arbeit als Erinnerungs- und Natur-Ort öffentlich zugänglich zu machen“) konnte wegen der Nicht-Verfügbarkeit des Grundstücks für die Stadt nicht mit konkreten Vorschlägen präzise beantwortet werden, sondern blieb vage. Das Dilemma der klaffenden Lücke zwischen horrenden Kaufpreisforderungen der privaten Eigentümer und dem objektiv geringen Wert des Grundstücks nach dem Erlöschen des Baurechts wurde in diesem Zusammenhang diskutiert, aber konkrete Vorschläge zur Überwindung dieses Problems kamen nicht zur Sprache.

Stillstand? Nicht ganz. Eine Kontroverse wurde sehr deutlich. Auf der einen Seite, nämlich der der Eigentümer, Pächter und Befürworter von künstlerischen und kulturellen Aktivitäten sind erhebliche und erfolgreiche Anstrengungen gemacht worden, um die Besucherzahlen zu steigern und das Betreten der Ruinen sicherer zu machen. In Redebeiträgen aus dem Publikum forderten diese, ihre Bemühungen und deren große Bedeutung für die Attraktion Berlins gegenüber Touristen anzuerkennen. Von der Gegenseite, nämlich den Veranstaltern und allen Mitgliedern des Podiums wurden die stark gesteigerten Aktivitäten auf dem Berg sehr skeptisch oder strikt ablehnend kommentiert. Es handele sich überwiegend um kommerziell motivierte Vorhaben, die von (unzulässigen) Baumaßnahmen und einem enormen motorisierten Verkehrsaufkommen auf gesperrter Waldstraße begleitet seien. Es sei bereits ein betriebsames Gewerbegebiet mit hohen finanziellen Umsätzen im Zentrum des Erholungswaldes und inmitten des Landschaftsschutzgebietes entstanden, das an diesem Ort keinesfalls geduldet werden könne.

Versöhnlich stimmte gegen Ende der Veranstaltung der Beitrag einer Zuhörerin aus dem Publikum. Man solle doch aus der ehemaligen Abhörstation eine „Zuhörstation“ machen.  Das, immerhin, könnte von allen Beteiligten begrüßt werden, und es gibt auch auf dem Berg eine Stelle dafür, die von allen Beteiligten, Eigentümern, Künstlern, Naturschützern, Politikern usw. geschätzt wird und die auf jeden Fall erhalten werden soll: Die Kuppel auf dem zentralen Turm hat besondere akustische Eigenschaften mit so langem Nachhall, dass sehr ungewöhnliche musikalische Erlebnisse und andere Zuhör-Aktionen möglich werden.

Hartmut Kenneweg, 5. 5. 2017

 

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